Ich hatte vor kurzem ein paar Fragen beantwortet, die eigentlich in einem Kontext von Praxis-Marketing aufgetaucht sind und in denen es eher um Positionierung und passende Zielgruppen ging. Aber genau daraus ist dann die Idee entstanden, eine Art persönliches „Interview“ daraus aus der Perspektive eines Klienten zu machen und hier im Blog zu veröffentlichen.
Das ist also jetzt ein kleiner, persönlicher Einblick geworden, über den du mehr über mich erfahren kannst. Und vielleicht erleichtert es dir zu entscheiden, ob ich ein guter Begleiter für deine Therapie oder Veränderungsreise sein könnte oder im Gegenteil vielleicht so gar nicht zu deiner Situation und deinen Erwartungen passe. Beides wäre ja gleichermaßen hilfreich.
Was ist deine Haltung zur Therapie, was bedeutet Therapie für dich?
Therapie ist für mich gar nicht so weit weg vom Leben. Vielleicht könnte man sagen: Therapie heißt im besten Fall Leben lernen oder nachlernen oder etwas Neues ausprobieren.
Hier darfst du dich an einem geschützten Ort ausprobieren, du darfst alles sagen und alles spüren und fühlen, was in dir ist und sich zeigen möchte.
Egal, ob Nachnähren bei frühen Entwicklungstraumen, spielerische Begegnung und Kontaktaufnahme oder auch die tiefe Begegnung mit den eigenen Schatten und Ängsten.
Und hier darfst du auch wieder die Lust aufs Leben spüren und einfach mit allem da sein, was du gerade in deinem Gepäck trägst.
Wie wird unsere Zusammenarbeit / Therapie aussehen?
Meistens kommst du mit einem Problem oder einem Wunsch in die Therapie.
Wir können dann daraus ein Ziel erarbeiten, das uns als erste Wegmarke dient. Oft ändern sich die Ziele aber auch im Laufe der Therapie. Was am Anfang so wichtig ist, verliert vielleicht an Anziehungskraft, wenn neue Aspekte, Wünsche und Fertigkeiten im Leben auftauchen.
Vielleicht geht es aber auch darum, dass du erstmal lernen möchtest, dich zu regulieren: vielleicht bist du ständig angespannt und voller Unruhe oder manchmal auch total erschöpft. Und vielleicht wechseln sich diese oder ähnliche Zustände auch einfach ab. Und du fällst irgendwie von einem Zustand in den anderen, ohne das Gefühl zu haben, daran etwas ändern zu können.
Im Therapieprozess arbeiten wir meistens mit dem, was gerade da ist. Das hört sich unspektakulär an, aber oft ist das gar nicht so einfach, entweder weil wir gefangen sind in Vorstellungen, Überzeugungen und Schmerzen aus unserer Vergangenheit oder weil wir ständig über die Zukunft denken und gar nicht richtig da sind.
Warum hast du du dich entschieden, Therapeut zu werden?
Eigentlich wollte ich schon mit 19 nach dem Abitur Psycholoie studieren, um später Psychotherapeut zu werden, aber meine Abiturnoten haben das damals aufgrund der Wartezeiten unerreichbar scheinen lassen.
Ich habe dann vor über 15 Jahren erste Erfahrungen mit systemischer Beratung gemacht (Coaching und Teamentwicklung am isb, damals noch in Wiesloch). Und danach viel im agilen Umfeld (in der IT) gearbeitet, unter anderem als Scrum Master und agiler Coach, aber auch noch im den Bereichen Produkt- und Softwareentwicklung.
Schon damals hatte ich häufig für Mitarbeiter und Team-Mitglieder (über das systemische Netzwerk) nach kurzfristigen Therapeuten und Coaches gesucht, da mir die Menschen erzählt haben, dass sie gerade Probleme haben und nicht so richtig damit klarkommen.
Da ist mir dann irgendwann klargeworden, dass psychische Probleme ganz schön häufig vorkommen und auch gar nichts sind, was es zu verstecken gilt. Ich hatte die Menschen, die mich oder andere angesprochen haben, weil sie sich bewusst geworden waren, dass sie Hilfe benötigen, im Gegenteil immer als sehr kompetent und mutig erlebt.
Und irgendwann ist auch mir klargeworden, dass da auch in mir nicht alles rund läuft. Und dass ich ein Leben lebe, dass gar nicht so richtig zu mir passt und in das ich irgendwie gestolpert bin. Und ich habe angefangen, meine eigenen Baustellen aufzuräumen.
Von daher war der Schritt zur Therapie gar nicht so groß. Und spätestens seit Corona habe ich deutlich gespürt, dass ich noch mehr mit Menschen arbeiten möchte und habe aus diesem Wunsch heraus eine systemische Weiterbildung gestartet am wisl in Wiesloch und weitere Weiterbildungen in IFS und Körper-Psychotherapie in München und Köln und dann auch meine Ausbildung für den Heilpraktiker für Psychotherapie gemacht.
Ich habe immer auch schon bei der Arbeit in der IT die Arbeit dann am meisten geliebt, wenn Transformationen stattfanden und wenn die Beteiligten dazu in einem Prozess agieren konnten, in dem sehr viel Raum für alles da sein durfte, was in den Teams (auch innerlich) am arbeiten war: also auch negative Gefühlen, Erwartungen und Bedenken. Ich wollte immer in und an Teamkulturen arbeiten, in denen sogar Verletzlichkeiten und eigene vermeintliche Schwächen anerkannt und nicht versteckt werden müssen und dadurch letztendlich auch viel Spaß, Freude und Flow entstehen konnte.
Wann begann deine Liebe zur Therapie?
Aus anfänglicher Neugierde und Sympathie ist bei mir dann echte Liebe zur Arbeit entstanden, als ich die Arbeit mit IFS kennenlernen durfte. IFS ist eine Therapierichtung, die sich mit inneren Anteilen beschäftigt, also der inneren Familie (IFS = Internal Family System bzw. Systemische Therapie der Inneren Familie).
Ich glaube zwar nicht, dass es DIE EINE Methode, Therapierichtung oder Vorgehensweise gibt, die alle Probleme lösen kann. Aber die Arbeit mit IFS hat erstmal meine Selbststeuerung auf ein ganz anderes Level gebracht. Ich habe gelernt, meine helfenden, beschützenden, kritisierenden und auch alle anderen aktiven Anteile in mir jederzeit zu sehen und anzunehmen. Das hat mir eine völlig neue Qualität meiner Arbeit ermöglicht. Ich kann diese Anteile in den Therapiesitzungen auf die Seite bitten und später gut mit allem arbeiten, was da noch an persönlicher Arbeit für mich selbst auftaucht.
Und ich durfte miterleben, wie sich in der Arbeit mit den Anteilen sehr intensive, tiefe Prozesse in kurzer Zeit entfaltet haben, die grundlegende Transformationen bei mir und auch bei vielen anderen Menschen bewirkt haben.
Im Zentrum des IFS-Modells steht das Konzept des „Selbst“. Das Selbst ist ein unzerstörbarer, weiser und mitfühlender Wesenskern, der in jedem existiert. Das schafft einen komplett anderen Zugang und eine ganz andere Haltung zu den Innenwelten, die oft genug nur als pathologisch, ungenügend oder als auf die eine oder andere Art und Weise zerstörerisch oder toxisch angesehen werden.
Und gleichzeitig sind auch die “inneren Familienmitglieder”, die Persönlichkeitsanteile, die manchmal einzelne Symptome tragen, immer von einer guten Absicht geleitet.
Mit dieser Perspektive und aus dem Selbst heraus diese gute Absicht zu erforschen und gleichzeit voller Wertschätzung sich diesen Teilen anzunähern, kann schon viel innere Spannung im System abbauen. Nämlich dann, wenn die Teile diese Wertschätzung mitbekommen und merken, dass da ja noch jemand ist, der ihnen ihre oft viel zu frühen und zu schweren Aufgaben abnehmen kann und manchmal vielleicht auch einfach nur da ist und sich für sie interessiert und ihnen zuhört.
Ein bisschen was persönliches…
Ich bin jetzt (2026) 52 Jahre alt und wohne in Mannheim. Ich habe lange Zeit in Berlin mit meinem Ex-Partner gelebt und bin dann 2022 wieder in Mannheim gelandet, wo ich mich seitdem sehr wohl fühle und auch bleiben möchte.
Ich wohne in der Nähe vo Neckar und Luisenpark, so dass ich jeden Tag zumindest ein wenig Stadt-Natur erleben darf.
Ich meditiere jeden Tag seit fast 20 Jahren, das ist für mich das Fundament, auf dem alles andere entstehen kann. Ich bin dadurch ein sehr offener Mensch für jede Art von spiritueller – oder manchmal vielleicht sogar mystischer – Erfahrung.
Wo finden wir Dich, wenn Du nicht in der Praxis bist?

In der Natur. Das ist mein Ort, an dem ich mich ausruhe, mich erde und auf neue Ideen komme. Auch wenn es meist die „Stadt-Natur“ zwischen Luisenpark und Neckarwiesen ist, ist es mir doch wichtig, jeden Tag ein wenig ins Grün einzutauchen und kurz innezuhalten und auch den Wandel der Natur im Lauf der Jahreszeiten zu beobachten.
Am liebsten erlebe ich die Natur mit meinem ganzen Körper: zum Beispiel Barfuß über die Wiese laufen oder über Steine, oder Wasser auf der Haut spüren oder mit den Händen Bäume und Pflanzen berühren.
Da komme ich dann zurück in meine Kraft. Ein Spaziergang ist wie eine Meditation. Und alles, was mich bedrückt und bewegt, darf an die Oberfläche kommen. Und auch ganz viel Freude, Lebenlust und Neugierde.
Außerdem liebe ich Kunst und Musik. Ich bin gerne und oft in Gallerien und Ausstellungen und natürlich auch in der Kunsthalle.
Von welchen Aspekten/Erfahrungen deines persönlichen Lebens kann ich als Klient profitieren?
Mein Leben ist nie sehr zielstrebig verlaufen. Ich habe ganz vieles ausprobiert, vieles studiert, aber weniges bis zum Ende.
Das hat mich lange gewurmt, aber jetzt bin ich eigentlich mit dem Verlauf zufrieden, ich glaube sogar, dass es genau so wie es war am besten war. Sonst wäre ich nie der geworden, der ich jetzt bin.
Ich habe lange gebraucht, um im Leben richtig gut anzukommen. Ich kenne sehr gut Gefühle von Einsamkeit, von Erschöpfung, von einer nicht gelebten Trauer, von Rückzug, Selbstzweifel und vielem mehr.
Und all das hat mich auch geduldig gemacht und mir gezeigt, dass es zwar lange dauern kann, den eigenen Weg zu finden, dass es sich aber in jedem Fall lohnt. Und auch, wenn es im Leben Momente gibt, an denen scheinbar nichts mehr geht, doch ein ganz anderes, erfüllteres Leben entstehen kann.
Ich hatte viel zu lange geglaubt, dass ich alles selbst lösen muss und keine Hilfe von anderen annehmen darf. Aber wenn du bis hierher gelesen hast, bist du wahrscheinlich schon einen guten Schritt weiter und auf dem richtigen Weg, genau das zu tun: dir einen Begleiter zu suchen, der dir helfen kann, die nächsten Schritte deines Weges zu gehen.
Was sind deine Hobbys, wenn du nicht arbeitest?
Ich mag den Begriff Hobbys eigentlich gar nicht. Das hört sich für mich immer so zweitrangig an, wie etwas, das auch da ist, aber eigentlich nur ermöglichen soll, das das richtige Leben mit Arbeit und Familie und alledem gut funktionieren kann.
Also spreche ich lieber von Dinge, die ich gerne tue. Letztendlich zähle ich sogar meine Arbeit dazu.
Ich male und zeichne zum Beispiel gerne und ich spiele auch gerne Klavier. Irgendwann möchte ich vielleicht wieder mal mit anderen Menschen auf der Bühne stehen und Musik machen. Aber ohne professionellen Anspruch, nur mit dem Anspruch, das Leben selbst mit dem zu feiern, was mir mitgegeben worden ist und dem Leben meinen eigenen Ausdruck zu verleihen.
Außerdem gehe ich gerne spazieren und mache Selbstverteidigung (krav maga). Ein- bis zweimal im Jahr gehe ich auch mit Freunden segeln. Das ist für mich die schönste Art, Urlaub zu machen. Wenn der Motor nach dem Hafen ausgeschaltet wird und das Boot nur noch vom Wind in den Segeln angetrieben wird, fällt von mir sofort ganz viel Anspannung ab und ich kann mich richtig gut erholen.
Eigentlich ist das Leben in allen Bereichen absoluter Selbstzweck und möchte auf seine ganz bestimmte, individuelle Art und Weise gefeiert werden, mit jedem Atemzug.
Und es geht nicht um ein immerwährendes Glück, es geht nicht um Selbstoptimierung, es geht vielleicht einfach nur darum, das ganze Leben anzunehmen, mit allem von der Geburt bis zum Tod und vielleicht sogar darüber hinaus.